Rationaler Antibiotikaeinsatz durch Information und Kommunikation: Neuigkeiten

Erste Reaktionen von Hausärzten

„Endlich kann ich dem Patienten verlässliche Informationen schwarz auf weiss mitgeben.”

Hausarzt im persönlichen Gespräch zu dem Infozept-Generator


Seit Anfang August 2016 werden RAI-Materialien verteilt, und Hausärzte sowie intensivmedizinische und chirurgische Oberärzte nehmen an den Fortbildungen zum rationalen Antibiotikaeinsatz teil.
Die Reaktionen der teilnehmenden Hausärzte auf die von RAI kostenfrei zur Verfügung gestellten Materialien reichte von „Super! Valide Patienteninformationen in den Sprachen die ich in meiner Praxis benötige” bis „mal sehen, ob die Informationen nicht zu umfangreich sind …”.

Die von RAI initiierte digitale Plattform www.infozeptgenerator.de ermöglicht Hausärzten das Ausstellen von leicht verständlichen und anschaulich aufbereiteten Tipps zur Symptomlinderung bei akuten Atemwegsinfektionen. Diese Infozepte stehen in Deutsch, Türkisch, Englisch und ab Anfang Oktober 2016 auch in Arabisch zur Verfügung. Dass der Hausarzt individuell entscheiden kann, welche Informationen er in welchem Umfang an den Patienten weitergibt, wurde in den ersten Testläufen als besondere Stärke des Infozept-Generators hervorgehoben. So kann der Hausarzt als Vertrauensperson in seiner Kompetenz gestärkt werden.

Am Anfang eines bewussteren und rationalen Umgangs mit Antibiotika steht das Wissen jedes einzelnen Hausarztes über den Umfang der Antibiotikaverordnungen in der eigenen Praxis. Dieses Wissen ist notwendig, um das eigene Verhalten gezielt zu hinterfragen. Die Abrechnungsdaten werden durch die Kassenärztliche Vereinigung jedoch erst am Ende des Behandlungsquartals zur Verfügung gestellt.
Eine Alternative zu aufwändigen Verbrauchslisten bietet die iOS-App „RAI-TapTool”. Ein einfacher Klick auf den dezenten Bluetooth-Button erlaubt es dem Hausarzt, das eigene Verordnungsverhalten zu dokumentieren. „RAI-TapTool” steht fürs iPhone als reguläre App im iTunes App-Store zur Verfügung. Der dazugehörige Bluetooth-Button wird auf Anfrage zugestellt. In Zukunft sollen Hausärzte den Umfang ihrer Antibiotikaverordnungen mit dem durchschnittlichen Verbrauch anderer App-Nutzer vergleichen können.

Ergänzt werden die Materialien durch Fortbildungen die speziell Hausärzte zum Thema „Rationale Antibiotikatherapie” informieren. Aufgrund der großen Nachfrage werden in Berlin, Brandenburg und Thüringen zusätzlich Termine angeboten. Hier können Sie sich den Einladungsflyer für Berlin & Brandenburg oder Thüringen herunterladen. Wir bitten Sie um eine frühzeitige Anmeldung.

Die Teilnahme an der Studie für Hausärzte aus Berlin, Brandenburg und Thüringen ist einfach: 

• Wenden Sie sich bitte für Berlin und Brandenburg an Dr. Florian Salm: florian.salm {at} charite.de
• Für Thüringen an Dr. Inga Petruschke: Inga.Petruschke {at} med.uni-jena.de
• Sie unterschreiben eine Einverständniserklärung
• Bestellen Sie die kostenfreien Materialien: hier können Sie sich den Bestellflyer herunterladen
• Während und nach der Studie schicken wir Ihnen einen Fragebogen zu, um die Materialien zu evaluieren.

Die RAI-Interventionsstudie dient der Erfassung einer Verschreibungsrate von Antibiotika bei akuten Atemwegsinfektionen in den Modellregionen Berlin, Brandenburg und Thüringen im Vergleich zu den Kontrollregionen Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Drittes Projekttreffen

29 Juni 2016 | Jena

Planung Interventionsstart

Im Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Jena trafen sich Projektbeteiligte aus allen Arbeitsschwerpunkten. Neben dem Start der Interventionsphase für die Arbeitsschwerpunkte Allgemeinmedizin und Stationäre Infektiologie stand die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Fokus.   Gemeinsam wurde das Gesamtkonzept als auch einzelne Materialien intensiv diskutiert und finale Entscheidungen getroffen.

Ein herzlicher Dank an das Team aus Jena für die Durchführung und Planung!

 

 

Eurobarometer 2016

Eurobarometer-Umfrage zu Antibiotika und Resistenzen: Wissenszuwachs und Abnahme des Verbrauchs

10. Juli | Brüssel, Europäische Kommission

Die Eurobarometer-Umfragen der Europäischen Kommission werden regelmäßig auf Grundlage eines mehrstufigen Zufallsstichprobendesigns in jedem EU-Mitgliedstaat durchgeführt. Ein Spezial-Bericht zu Antibiotikaverwendung und -verschreibung in der EU wurde in den Jahren 2009, 2013 und 2016 verfasst. Die aktuelle Befragung zeigt einen anhaltend positiven Trend beim umsichtigen Gebrauch von Antibiotika.

In den vergangenen sieben Jahren ging der Antibiotikaverbrauch nach Aussage der Konsumenten um 6 Prozent zurück, dazu hat auch ein wachsendes Bewusstsein in Deutschland beigetragen. Im Zusammenhang mit dem sinkenden Verbrauch ist ein Wissenszuwachs über Antibiotika und Resistenzen bei der Bevölkerung zu verzeichnen. Immer mehr Menschen wissen, dass Antibiotika nicht gegen Virusinfektionen wie etwa grippale Infekte helfen. Den höchsten Wissensstand hatten in der aktuellen Umfrage die Finnen, die Holländer und die Schweden; Deutschland lag diesbezüglich knapp über dem europäischen Durchschnitt.

Trotz dieser guten Nachrichten besteht laut Eurobarometer weiterhin Informationsmangel über Antibiotika in den meisten europäischen Ländern, obwohl die Nachfrage in Teilen der Bevölkerung vorhanden ist. Mit wachsendem Bewusstsein für die Problematik der Antibiotikaresistenzen steigt auch die Forderung nach wirksamen Maßnahmen auf nationaler und internationaler Ebene.

Download:

Ergebnisse der Eurobarometer-Umfrage zu Antibiotika und Resistenzen von 2016 | Englisch

Ergebnisse der Eurobarometer-Umfrage zu Antibiotika und Resistenzen von 2016, Vergleich EU und Deutschland | Sprache: Deutsch

 

 

 

Teilnehmer gesucht!

23. April | Berlin, Brandenburg und Thüringen

Wir suchen zur Zeit in Berlin, Brandenburg und Thüringen

 

… Hausärzte (Allgemeinmediziner oder hausärztlich tätige Internisten), die ab August 2016 innovative Informations- und Kommunikationsmaterialien rund um das Thema Antibiotika und Atemwegsinfektionen im Rahmen einer Interventions-Studie in ihrer Praxis einsetzen möchten.

Ansprechpartner: Dr. Florian Salm: florian.salm {at} charite.de


… Tierärzte mit Betreuung schweinehaltender Betriebe sowie Betreiber/Landwirte schweinehaltender Betriebe, die ab voraussichtlich November 2016 innovative Informations- und Kommunikationsmaterialien rund um die Themen Antibiotika und multiresistente Erreger im Rahmen einer Interventions-Studie testen möchten.

Ansprechpartner: Frau Szilvia Vincze, PhD:  szilvia.vincze {at} fu-berlin.de


… Intensivmedizinische und chirurgische Oberärzte, die ab August 2016 im Rahmen einer Interventionsstudie zur Verbesserung der Antibiotika-Anwendungsqualität im Krankenhaus an einem Train-the-Trainer-Programm teilnehmen möchten.

Ansprechpartner: Frau Dr. Anne Moeser:  anne.moeser {at} med.uni-jena.de

 

 

Erster Nutzertest - Fragen hilft.

31. März | Berlin und Jena

Nutzer-Tests dienen der Überprüfung der Nutzerfreundlichkeit und Akzeptanz von Produkten, etwa auch bei Software oder Kommunikationsmedien. Dafür werden die Testteilnehmer bei der Nutzung dieser Produkte beobachtet und mittels Fragebögen für die Evaluation befragt, um abschließend in einer offenen Diskussion gemeinsam Ideen und Anregungen für Verbesserungen zu entwickeln.

Der Nutzer-Test der Interventionstools für die niedergelassenen Allgemeinmediziner lieferte Informationen darüber, wie diese eingesetzt werden, wie Handlungsabläufen optimiert werden können und welche Aspekte aus Sicht der Hausärzte besser herausgearbeitet werden sollten. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Weiterentwicklung der Interventionstools ein. In der Pilotphase am Ende des ersten Quartals 2016 werden die Interventionstools dann in der praktischen Anwendung getestet.

 

 

Ein wachsendes Netzwerk

14. Dezember 2015 | Berlin

In Berlin fand das erste der jährlich geplanten Treffen von Vertretern der RAI-Arbeitsschwerpunkte mit wissenschaftlichen Kooperationspartnern, Netzwerkpartnern und geplanten Mitgliedern eines wissenschaftlichen Beirats statt. In intensiven drei Stunden erhielten die Teilnehmer Einblicke in den Projektverlauf. Es wurden erste Zwischenergebnisse vorgestellt und diskutiert. Darüber hinaus konnten erste prototypische Interventionstools für den Einsatz in der Hausarztpraxis getestet werden. Mit dem insgesamt positiven Feedback der Teilnehmer gehen wir bestärkt ins neue Jahr, für das als große Etappe der Interventionsstart im August 2016 angestrebt wird.

Wir danken allen Teilnehmern dieses ersten Partner-Meetings für die konstruktiven Beiträge und Ihre Bereitschaft RAI zu unterstützen.

 

 

 

Zweites Projekttreffen

16. Oktober 2015 | Berlin

Intensiver Austausch über den Zwischenstand der ersten Erhebungen

Mit 18 Teilnehmern aus allen Teilprojekten und unter Anwesenheit einer Vertreterin des Projektträgers erörterte jeder Arbeitsschwerpunkt sein bisheriges Vorgehen und den aktuellen Projektstand um Synergien zu schaffen und einen Wissensabgleich herzustellen. Erste Barrierendefintionen, basierend auf einer Zusammenführung von quanitativen und qualitativen Ergebnissen, sowie erste Ideenskizzen für die Interventionen wurden vorgestellt und diskutiert. Wir sind gespannt wie es weitergeht! Ein Dank an alle Teilnehmer.

 

 

 

Befragung Allgemeinbevölkerung

03. Juni 2015 | Berlin

Mit Information gegen Antibiotikaresistenzen
Modellprojekt RAI offenbart erhebliche Wissenslücken im Umgang mit Antibiotika

Die zunehmende Unempfindlichkeit von Bakterien gegen die gängigen Antibiotika muss dringend gestoppt werden. Bessere Information und Aufklärung ist das Ziel des Modellprojekts „Rationaler Antibiotikaeinsatz durch Information und Kommunikation“, kurz RAI. In dessen Rahmen kommen Wissenschaftler und Kommunikationsexperten anhand einer aktuellen Emnid-Befragung zu dem Schluss: Wissenslücken zur Antibiotikanutzung sind weit verbreitet, gleichzeitig ist das Bewusstsein für die Problematik in der Bevölkerung sehr hoch. Während des bevorstehenden G7-Gipfels auf Schloss Elmau werden sich die Staats- und Regierungschefs ebenfalls der Thematik widmen.

In einer jetzt vorgestellten repräsentativen Befragung von TNS Emnid im Rahmen des Projekts RAI gaben 70 Prozent der Teilnehmer an, dass ihnen das Thema Antibiotikaresistenzen wichtig bis sehr wichtig ist. Auf die Frage, wer oder was gegen ein Antibiotikum resistent werden kann, antworteten allerdings 37 Prozent der über 1000 befragten Erwachsenen mit „Viren und Bakterien“ und weitere 20 Prozent mit „Menschen“. Die korrekte Antwort – ausschließlich Bakterien – wusste nur jeder Vierte. „Die Ergebnisse zeigen, dass das Thema in der Bevölkerung angekommen ist, es aber gleichzeitig noch sehr große Wissenslücken gibt“, sagt Prof. Petra Gastmeier, Direktorin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Charité, Universitätsmedizin Berlin.

Vielen Menschen fehlt das grundsätzliche Wissen über die Resistenzentwicklung von Bakterien. So meinten 58 Prozent der Befragten, dass ihr eigenes Verhalten im Umgang mit Antibiotika keinerlei Einfluss auf die allgemeine Entwicklung von Antibiotikaresistenzen hat. Ein Irrtum mit Folgen. Denn wenn die Medikamente nicht genau so eingenommen werden, wie vom Arzt verordnet, fördert das die Bildung von resistenten Bakterien. Gleiches gilt, wenn Antibiotikareste über den Hausmüll oder die Toilette entsorgt werden und nicht an den vorgesehenen Sammelstellen oder in der Apotheke. „Um die Resistenzproblematik in den Griff zu bekommen, müssen wir besser informieren als bisher“, folgert Prof. Dr. Gastmeier.

Das Modellprojekt RAI hat den Anspruch, sektorenübergreifend Informations- und Kommunikationsstrategien zum maßvollen, vernünftigen Einsatz von Antibiotika zu entwickelt und anzuwenden. Zu diesem Zweck haben sich Mediziner und Kommunikationsexperten zusammengeschlossen. An dem Verbundvorhaben sind das Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Charité, das Institut für Allgemeinmedizin und das Zentrum für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikum Jena, das Institut für Mikrobiologie und Tierseuchen sowie das Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaften an der Freien Universität Berlin, das Robert Koch-Institut und die Berliner Design- und Kommunikationsagentur Lindgrün GmbH beteiligt.

In der derzeit laufenden ersten Projektphase identifiziert RAI zunächst Bedürfnisse und Barrieren in den einzelnen Zielgruppen. Diese werden dann mit entsprechenden Informationsmaßnahmen und -instrumenten gezielt adressiert. „Eines der größten Versäumnisse in der Vergangenheit war, dass man die Initiativen immer nur auf eine bestimmte Gruppierung beschränkt hat“, sagt Prof. Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts. „Das Versäumte gilt es jetzt dringend aufzuholen.“ Deshalb werden bei RAI die Vorgehensweisen, Informationstools und Botschaften spezifisch auf die einzelnen Zielgruppen zugeschnitten. Auf Seite der Verordner von Antibiotika sind das Hausärzte, Tierärzte, Chirurgen und Intensivmediziner, zu den Nicht-Verordnenden gehören Landwirte in schweinehaltenden Betrieben, ambulante Patienten, Fernreisende und ganz generell die Allgemeinbevölkerung im Sinne von potenziellen Patienten. Modellregionen für die Intervention sind Berlin, Brandenburg und Thüringen. Erweisen sich der Projektaufbau und die Kampagne als erfolgreich, kann der Projektrahmen nach Ende der Laufzeit ausgeweitet werden.

 

 

 

Arbeitstreffen: Projektpartner

 

05./06. Juni 2015 | Potsdam

Erstes Arbeitstreffen der Projektpartner

Anfang Juni trafen sich die RAI-Projektpartner zum ersten Austausch. In einem zweitägigen Workshop wurden neben den ersten Ergebnissen aus einer Befragung der Allgemeinbevölkerung auch Vorgehensweisen, Methoden sowie Blickwinkel auf das Thema „Rationaler Antibiotikaeinsatz” diskutiert. An dem Treffen nahmen Projektpartner aus allen Arbeitsschwerpunkten teil um einen hohen Vernetzungsgrad innerhalb von RAI zu etablieren. Neben den wissenschaftlichen und planerischen Absprachen stand der interdisziplinäre Austausch im Fokus. Was bedeutet z.B. in der Tiermedizin der Begriff „Metaphylaxe“? Kann überhaupt eine gemeinsame Aussage über den rationalen Einsatz von Antibiotika jenseits von vorgeprägten Meinungen gefunden werden? Was ist eine Diskursanalyse? Und vieles mehr...

 

 

 

Innovationsworkshop

30. Mai 2015 | Berlin

Innovationsworkshop mit Ärztinnen und Ärzten aus Allgemeinmedizin, Infektiologie, Innerer Medizin, Chirurgie und Mikrobiologie

In einem Innovationsworkshop mit Beteiligten aus verschiedenen humanmedizinischen Fachrichtungen wurden durch strukturierte, prozessorientierte Innovationsmethodiken mit multidisziplinären Teams Lösungsansätze für die Fragestellung des rationalen Antibiotikaeinsatzes entwickelt.

Dabei wurde auf ein Methodenset aus verschiedenen wissenschaftlichen Richtungen zurückgegriffen. So wurden Methoden aus dem Design (Interaction Design) wie auch aus den Sozialwissenschaften, etwa aus der Qualitativen empirischen Forschung, angewendet.
Der Innovationsworkshop verfolgte drei Ziele:

- Austausch über die aktuelle Antibiotika-Verordnungspraxis bei niedergelassenen Ärzten und im Krankenhaus
- Definition von Schwachstellen und Barrieren dieser Praxis
- Entwicklung innovativer Interventionslösungen für spezifische Barrierepunkte

Die Ergebnisse des Innovationsworkshops fließen in die Definition der Barrieren mit ein.