Rationaler Antibiotikaeinsatz durch Information und Kommunikation: students

RAI für Studierende und Berufseinsteiger*innen

Antibiotikaresistenzen stellen eine globale Bedrohung für die Gesundheit der Menschen dar. Ein wichtiger Baustein in der Vermeidung von Antibiotikaresistenzen ist der rationale, d.h. weise Umgang mit diesen Medikamenten! Studierende der Medizin erhalten im Rahmen der curricularen Lehre die Grundlagen zur Mikrobiologie, Pharmakologie und Infektiologie, um Antibiotika maßvoll und angepasst einsetzen zu können.

Das RAI-students Projekt möchte die Vermittlung von Wissen und notwendigen Kompetenzen für eine rationale Anwendung von Antibiotika während des Studiums und auch bei Berufseinstieg vertiefen und fördern. Das Ziel ist es, für Studierende im deutschsprachigen Raum eine ganze Bandbreite an aktuellen und ansprechenden Lernmaterialien zu antimikrobieller Resistenzentwicklung und rationaler Antibiotikatherapie bereitzustellen, auf die Studierende wie Lehrende jederzeit kostenfrei zugreifen können.

Orientierungsphase

Zu Beginn des RAI-students Projekts führten wir eine Online-Befragung unter Studierenden, Interviews mit Assistenzärzt*innen kurz nach Berufseinstieg sowie Fokusgruppendiskussionen mit Studierenden und Dozierenden durch, um den Bedarf und die Präferenzen bzgl. der Lehre zur rationalen Antibiotikatherapie zu identifizieren.

Wir wollten folgende Fragen klären:

  • Welches Wissen und welche Kompetenzen sind notwendig, um im Arbeitsalltag Antibiotika rational verordnen und anwenden zu können?

  • Welcher konkrete Lehr- und Lernbedarf wird diesbezüglich gesehen?

  • Wie lernen Studierende am besten und am liebsten? Welche Formate wären für die Vermittlung geeignet?

Befragung der Studierenden & Berufseinsteiger:innen, Fokusgruppendiskussionen:

Zwischen Dezember 2019 und Februar 2020 führten wir eine Online-Befragung unter Studierenden der Charité Berlin und der Universität Würzburg mittels eines sog. KAB-Surveys (Knowledge, attitudes and behaviour) durch. Neben der Selbsteinschätzung und Wissensabfragen zur antimikrobiellen Resistenzentwicklung und zur rationaler Antibiotikatherapie befragten wir die Studierenden zu bevorzugten Lerntools. Im November und Dezember 2019 erfolgten die Interviews mit Berufseinsteiger:innen sowie die Fokusgruppendiskussionen.

Ergebnisse der KAB-Befragung & der Fokusgruppendiskussionen

Ergebnisse der KAB-Befragung & der Fokusgruppendiskussionen

Insgesamt nahmen 356 Studierende an der Befragung teil, 273 von der Universität Würzburg und 83 von der Charité Berlin.

  • Die befragten Studierenden zeigten, dass sie das Thema der antimikrobiellen Resistenzen als Problem wahrnehmen und dass sie glauben, dass ihr Verhalten Einfluss auf die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen haben kann, siehe:

  • Etwa die Hälfte der Studierenden gab an, dass sie bisher in ihrem Studium noch nicht ausreichend Wissen zu dem Thema der rationalen Antibiotikatherapie und antimikrobieller Resistenz erwerben konnten. Dabei unterscheiden sich die Antworten zwischen den Studierenden aus den niedrigen (1-5) und hohen Fachsemestern (FS) (ab FS 6) signifikant (p-Wert < 0,0001), siehe:

  • Neben den klassischen Lehr- und Lernangeboten wie curriculare Vorlesungen, medizinische Fachbücher und Leitlinien sowie AMBOSS, informieren sich Studierende über folgende Medienformate, siehe:

Fokusgruppen:

Wir interviewten Assistenzärzt*innen und diskutierten in Fokusgruppen mit Dozierenden verschiedener Universitäten und Einrichtungen sowie mit Studierendenden der Charité Berlin über Awareness zum Thema, benötigtem Wissen und Kompetenzen, die für eine sachgemäße Anwendung von Antibiotika benötigt werden.

Awareness

Den Studierenden ist das Problem der Antibiotika-Resistenzen bewusst, jedoch kann das abstrakte Wissen schwer in konkrete Handlungsstrategien umgesetzt werden. Beim Berufseinstieg fühlen sich die Assistenzärzt*innen unsicher, aber mit der Fülle an neuen Aufgaben sind häufig andere Themen wichtiger und dringlicher und die Antibiotika-Therapie und die Fortbildung diesbezüglich kommt zu kurz.

Dass man Antibiotika heute restriktiver verwendet als früher, das wird schon vermittelt. Man weiß theoretisch wie, aber in der Praxis hat man dann Angst, dass es wieder schlechter wird, wenn man das Antibiotikum absetzt.

Assistenzärztin

Resistenzen wirken sich individuell nicht so sehr aus. Der Einzelpatient verliert da weniger, wenn er breit therapiert wird. Der unmittelbare Schaden ist nicht sichtbar.

Fokusgruppe Dozierende

Praktisches Wissen und Handlungskompetenz

Neben dem Wissen um die Grundlagen der Antibiotikatherapie und einem pharmakologischen Grundverständnis werden praktische Anwendungshinweise um bspw. Dosierungen etc. im Studium kaum vermittelt.

 

Neben theoretischem Wissen ist praktische Handlungskompetenz bezüglich gezielter Anamneseerhebung und Differenzialdiagnostik entscheidend, um Patienten identifizieren zu können, die von einer Antibiotikatherapie profitieren können.

 

Zu Problemlösungskompetenzen gehört neben dem kompetenten Umgang mit Quellen und Ansprechpartnern die Fähigkeit, Patient*innen kompetent zur geeigneten Therapie zu beraten und zu überzeugen.

Zusammenfassend stellte sich heraus, dass im Studium wenige der für rationale Antibiotikatherapie benötigten Kompetenzen nachhaltig vermittelt werden. Hoch relevante Inhalte, wie die Vermittlung praktischer Anwendung würden aktuell im Studium kaum Platz einnehmen.

Wünsche und Vorstellungen zu Formaten

Bezüglich der Lehr- und Lernformate wünschten sich die Befragten fallbasiertes, interaktives Lernen mit Visualisierungen und regelmäßigen Wissensüberprüfungen. Peer-Teaching Formate wurden als sehr wertvoll eingeschätzt und auch der Spaßfaktor sollte nicht außer Acht gelassen werden.

Erklärfilme

Für Einsteiger in die Thematik gibt es hier kurzgefasste Erklärvideos, die die Grundlagen der Mikrobiologie, der Entstehung von antimikrobiellen Resistenzen, wichtige Aspekte der Antibiotikatherapie sowie die Prinzipien der rationalen Antibiotikatherapie vorstellen.

Der Erklärfilm „Multiresistente Erreger“ hat auf dem 16. Kongress für Krankenhaushygiene (2022) den ersten Preis (Urkunde HIER) in dem Wettbewerb „Hygiene medial vermitteln“ gewonnen.

Alle Erklärfilme sind auf dieser Website abrufbar oder auf YouTube unter:
https://www.youtube.com/channel/UCFPGD2fhZ7YlWDVinvuYr7A?app=desktop&cbrd=1&cbrd=1

Erklärfilme ansehen

Aufbau eines Bakteriums

Wirkmechanismen von Antibiotika

Selektion und Resistenzmechanismen

Resistenzübertragung und Transmission

Multiresistente Erreger

Mikrobiom und Antibiotika-assoziierte Diarrhoe

Rationale Antibiotikatherapie

Massive Open Online Course

Der Massive Open Online Kurs (MOOC) „Basis-Antibiotikaführerschein für Studierende der Humanmedizin“ vermittelt in vier kompakten Modulen mikrobiologisches, diagnostisches, therapeutisches und klinisches Wissen. Die Kursdauer ist auf vier Wochen angelegt, kann aber eigenständig und frei eingeteilt werden. Nach erfolgreicher Teilnahme am MOOC kann der „Basis-Antibiotikaführerschein“ erworben werden. Der MOOC-Kurs kann unter https://mooc.house/courses/rai-students-01 aufgerufen werden.

Hier 3 exemplarische Videos aus dem Kurs

Podcasts

In jeder Podcast-Folge besprechen Medizinstudierende ein praktisches Thema aus der Infektionsmedizin mit einer Expertin oder einem Experten. Häufig geht es dabei um bakteriologische  Krankheitsbilder, deren Klinik, Diagnostik und die antibiotische Therapie.

Studierenden-Frageteam: Felicia Becker - felicia.becker [at] charite.de; Clara Bergmann; Katharina Ginter; Andreas Kogler; Lukas Risse; Cheyenne Sonnenschein - cheyenne.sonnenschein [at] charite.de

Folge anhören? Im Trailer-Fenster unten rechts auf die drei Punkte klicken, dann werden alle Folgen angezeigt.

Der Podcast steht auch auf allen gängigen Plattformen zur Verfügung. Z.B. auch auf Apple und Spotify.

Zu Gast bei Klinisch relevant!

Kürzlich war unser Podcast Host Sandra Schneider mal auf der anderen Seite des Mikrophons.

Im Podcast-Format KLINISCH RELEVANT spricht sie mit Kai Gruhn über Antibiotic Stewardship und Prinzipien einer rationalen Antibiotikatherapie.

KLINISCH RELEVANT-Folge bei Spotify

Fallgeschichten – Key-Features

Anhand verschiedener Patientenfallgeschichten im Key-Feature Format können Studierende ihr Wissen zu relevanten infektiologischen Krankheitsbildern wiederholen und vertiefen sowie die Aspekte und Prinzipien der rationalen Antibiotikatherapie trainieren. Die Fallgeschichten werden mittels der Software CaseTrain der Universität Würzburg angeboten, siehe hier: https://casetrain.uni-wuerzburg.de/index.shtml

Die einzelnen Fälle können über die folgenden Direkt-Links bearbeitet werden.

Fall 1 – Husten im Februar

Fall 2 – Patientin mit schmerzhaft gerötetem Bein

Fall 3 – Kopfschmerzen und Fieber

Fall 4 - Das brennt!

Fall 5 – Wer nichts hat, dem wird gegeben

Fall 6 – Ein sportlicher Patient mit fieberhaftem Handicap

Fall 7 – Eine Frau im Herbst

Fall 8 – Vernetzt und zugehustet!

Fall 9 – Patricia hört einfach nicht

Fall 10 – Der Hals tut weh

Fall 11 – Plötzlich dieser Husten

Kontakt

Bei Fragen und Kommentaren oder Anregungen könnt ihr uns gerne kontaktieren über E-Mail: rai-info@charite.de